Fall Pfäffikon: «Wir können klar sagen, dass das nicht so war»

Mein sonntägliches Thema u.a. vor einer Woche: Ein Lehrer wird wegen seiner Homosexualität entlassen! Religiös-konservative Eltern, haben den Lehrer so lange gemobbt, bis die Schulleitung einknickte und ihn entlassen hat. Da lief wohl einiges schief in Pfäffikon ZH – entsprechend haben sich auch die Medien um die Geschichte gerissen.

Dass sich konservative Christen und konservative Muslime gegen eine schwulen Lehrer verbünden, dürfte in Zukunft öfter auftreten, warnte genau vor einer Woche der Religionsexperte Georg Schmid auf Nau.ch unter der Überschrift «Freikirchler und konservative Muslime werden zur Gefahr für Schwule». Der Einfluss von Freikirchen auf öffentliche Schulen sei eher klein, sagte Schmid von der evangelischen Informationsstelle «relinfo» weiter – wofür aber der Fall Pfäffikon ein Beispiel sei: Den freikirchlichen Eltern gegenüber zeigte die Schulleitung harte Kante. Erst als muslimische Eltern mit auf den Plan traten, knickte sie ein».

Die Informationsstelle «relinfo» zu den Themen Kirchen – Sekten – Religionen definiert sich klar als «evangelisch». Deshalb ist es mir im Fall Pfäffikon zu einfach zu behaupten, dass Schwule vor allem in der Kombi «Freikirche / Muslime» in Gefahr sind. Aus der Zeit gefallene «Christen» und aus der Zeit gefallene «Muslime» gehören in den gleichen Topf von aus der Zeit gefallenen Menschen.

Da sind mir die Menschen, die sich mit dem schwulen Lehrer solidarisierten und vor einer Woche in Pfäffikon ZH demonstrierten, sympathischer. Zur Demo aufgerufen hatten die Juso Zürcher Oberland, die Jungen Grünen Zürcher Oberland und das Kollektiv Kritische Lehrpersonen. Mit 50 bis höchstens 100 Personen hatten die Organisator*innen gerechnet, gekommen sind etwa 300 – «auffallend viele Familien mit Kindern», wie der Zürcher Oberländer bemerkte. Und überall waren Regenbogenfahnen zu sehen.

Und einig waren sich an der Demo alle: Der schwule Lehrer wurde von der Schule Pfäffikon diskriminiert und musste deshalb gehen.

Sogar die NZZ berichtete über die Demo in Pfäffikon und liess Roger Klos (SVP), den Vizepräsidenten der Schulpflege zu Wort kommen – nicht den Präsidenten Hanspeter Hugentobler (EVP) selber, da dieser im Ausland weile: «Es hat Druckversuche und ungebührliche Diskriminierungsversuche durch Eltern gegeben». Er gesteht auch Fehler ein: «Es ist zu Unregelmässigkeiten und zur Missachtung von Verfahrensverschriften bei der Auflösung des Arbeitsverhältnisses gekommen». Allerdings könne er sagen, dass der Lehrer letztlich nicht wegen seiner sexuellen Orientierung entlassen wurde: «Wir können klar sagen, dass das nicht so war».

Zusammengefasst: Ein schwuler Lehrer wird nach Beschwerden konservativer Eltern entlassen – obschon sich die gegen den Lehrer erhobenen Vorwürfe als haltlos erwiesen. Oder anders ausgedrückt: Hier hat die Schulleitung den fundamentalistischen Stimmen aus der Elternschaft nachgegeben und damit der ideologischen Beeinflussung auf den Lehrplan nachgegeben!

Und quasi das Amen im Fall Pfäffikon war im Tages Anzeiger zu lesen: «Nach den Sommerferien wird er in einer anderen Schule eine neue Stelle antreten». Er liebe nämlich seinen Beruf: «Und diese Liebe lasse ich mir von niemanden kaputtmachen.»

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